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Der BDSM-Vertrag

Ein BDSM-Vertrag hält fest, was zwei Menschen miteinander vereinbaren. Das Papier ist dabei das Unwichtigste: Es geht um das Gespräch, das davor stattfindet.

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Du bist dem Wort vielleicht in einem Film begegnet, oder im Netz unter Namen wie Dom-Sub-Vertrag, D/s-Vertrag oder Sklavenvertrag. Dazu kursieren jede Menge Vorlagen. Bevor du eine davon ausfüllst, lohnt es sich zu klären, was so ein Vertrag kann und was nicht. Gemeint sind hier immer Absprachen zwischen Erwachsenen, die das selbst so wollen.

Eine Absprache, kein Vertrag im üblichen Sinn

Ein BDSM-Vertrag ist eine Vereinbarung zwischen euch. Geh nicht davon aus, dass er rechtlich bindend ist oder dass du damit etwas durchsetzen kannst. Dafür ist er auch nicht gedacht. Was das Gesetz in deinem Land sagt, ist nicht Thema dieser Seite, und das hier ist keine Rechtsberatung.

Wichtiger noch: Ein Vertrag steht nie über dem Konsens. Deine Unterschrift von letztem Monat verpflichtet dich heute zu gar nichts. Das Safeword gilt weiter, und alle Beteiligten können jede Abmachung oder den ganzen Vertrag jederzeit beenden. Auch wenn darin von „Besitz“ die Rede ist, gehört das zum Spiel; niemand gehört jemand anderem, und niemand schuldet einem Papier etwas.

Was bringt so ein Vertrag dann?

  • Er zwingt euch zum Reden. Beim Aufschreiben merkt ihr, worüber ihr noch nie gesprochen habt und wo ihr dachtet, ihr wärt euch einig.
  • Er macht Dinge klar. Was auf dem Papier steht, muss sich später niemand mühsam zusammenreimen.
  • Er kann etwas bedeuten. Manche erleben das Unterschreiben als Ritual, das ihre Beziehung bekräftigt. Andere können damit gar nichts anfangen.

Was hineingehören kann

Feste Regeln gibt es nicht. Oft stehen darin:

  • die Rollen, und wie ihr einander ansprecht;
  • die Grenzen aller Beteiligten: harte Grenzen, die immer gelten, und weiche Grenzen, die vielleicht gehen;
  • das Safeword und das Zeichen für den Fall, dass Sprechen nicht geht;
  • Regeln, Aufgaben und Rituale im Alltag, falls ihr das möchtet;
  • was geschieht, wenn eine Abmachung nicht eingehalten wird;
  • wer was über euch wissen darf, und was mit Fotos passiert;
  • was ihr danach braucht, die Aftercare;
  • wie lange das Ganze gilt, wann ihr es wieder anschaut und wie jede Seite aussteigen kann.

Was ein Neigungsbogen ist? Eine Liste von Vorlieben, die man für sich oder gemeinsam ausfüllt: mag ich, mag ich nicht, würde ich ausprobieren. Für den Anfang ist das oft nützlicher als ein Vertrag. Auf THE CAGE gibt es dafür die BDSM-Checkliste: Sie gehört zu deinem Konto, andere Mitglieder können sie ansehen, und du bestimmst, wer.

Vorlagen aus dem Netz

Als Anregung sind sie nützlich. Sie zeigen dir, woran du vielleicht noch nicht gedacht hast. Übernimm aber nichts, nur weil es dort steht. Viele Vorlagen sind geschrieben, damit sie streng klingen, und ein Absatz, den ihr beide nicht versteht oder nicht wollt, gehört gestrichen. Eine Vorlage von uns gibt es nicht, und das ist Absicht: Euer Vertrag sollte nach euch klingen.

Schaut regelmäßig wieder hinein

Viele schreiben so etwas ganz am Anfang, voller Begeisterung und mit vielen Regeln, und ein paar Monate später hat der Alltag das meiste davon überholt. Das kann wehtun, wenn nur eine Seite sich daran erinnert: Die eine Person hält sich an alles und fühlt sich übergangen, die andere fühlt sich ständig im Unrecht.

Nehmt euch deshalb feste Zeitpunkte vor, um alles durchzugehen, am Anfang häufiger und später seltener. Streicht, was nicht mehr passt. Es ist auch völlig in Ordnung, irgendwann festzustellen, dass ihr gar keinen Vertrag mehr braucht.

Muss man einen haben?

Nein. Viele haben nie einen unterschrieben und leben seit Jahren gut damit. Was du aber auf jeden Fall brauchst, ist das Gespräch: über Wünsche, Grenzen, Risiken und darüber, wie ihr Stopp sagt. Ob ihr das Ergebnis aufschreibt, entscheidet ihr selbst.

Wenn jemand von dir verlangt, etwas zu unterschreiben, bevor ihr euch richtig kennt, oder dir später damit droht, was „im Vertrag steht“, dann hat das mit einer Absprache nichts mehr zu tun. Das ist ein Warnzeichen. Zieh dich zurück und sprich mit jemandem, dem du vertraust.

Wie machen das andere?

Das kannst du auf einem Stammtisch oder online fragen. THE CAGE ist eine internationale BDSM-Community mit Profilen, Blogs, einem Forum und Chaträumen, in denen vor allem auf Englisch geschrieben wird. Die Registrierung ist kostenlos, Forum und Chaträume auch. Wenn du dich aus Deutschland registrierst, gehört eine Altersprüfung (18+) dazu; sie läuft über Yoti.

Häufige Fragen zum BDSM-Vertrag

Ist ein BDSM-Vertrag rechtsgültig?

Geh nicht davon aus. Ein BDSM-Vertrag ist eine Absprache zwischen den Beteiligten und nicht dazu gedacht, etwas durchzusetzen. Das hier ist keine Rechtsberatung.

Was ist ein Sklavenvertrag?

Ein anderer Name für einen BDSM-Vertrag, meist für eine Beziehung zwischen einem Herrn oder einer Herrin und einer Person in Sklavenrolle. Auch hier gilt: Alle haben sich selbst dafür entschieden und können jederzeit aussteigen.

Was steht in einem Dom-Sub-Vertrag?

Was euch wichtig ist. Häufig sind das Rollen, Grenzen, das Safeword, Regeln und Aufgaben, Aftercare, Privatsphäre und ein Zeitpunkt, an dem ihr alles noch einmal durchgeht.

Was ist ein Neigungsbogen?

Eine Liste von Vorlieben, die man für sich oder gemeinsam ausfüllt, um herauszufinden, was einen anspricht und was nicht. Er ist kein Vertrag, sondern eine Gesprächshilfe.

Kann ich einen BDSM-Vertrag kündigen?

Ja, jederzeit und ohne Begründung. Ein Vertrag steht nie über dem Konsens. Sprecht aber vorher ab, wie ihr das machen wollt.

Braucht man so einen Vertrag?

Nein. Das Gespräch über Wünsche und Grenzen brauchst du, das Papier nicht.

Mit anderen darüber reden

Ein Konto ist kostenlos. Im Forum und in den Chaträumen kannst du fragen, wie andere das machen, meist auf Englisch.

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